Im Prunkgrab Nummer VI soll ein Fürst mit seiner Frau begraben worden sein. Obschon zum Ausgrabungszeitpunkt die Geschlechter der beiden Leichen nicht mehr nachgewiesen werden konnten, wird diese Annahme in Rekonstruktionen als Tatsache vermittelt. Wieso liegen nicht eine Fürstin und ihr Gehilfe in diesem Grab? Zwei Geschwister? Ein Männerpaar? Die Spekulationsweite, um wen es sich bei den beiden Personen handelte, ist beinahe grenzenlos. In der Vergangenheit sind unzählige Bilder entstanden, die uns eine patriarchale Lebensform unserer Vorfahren vermitteln und diese Hypothesen als gesicherte Begebenheiten darstellen. Auf diese Weise hat sich in uns Wissen festgesetzt, welches es zu hinterfragen gilt. Während die Interpretation von Artefakten vergangener Zeiten auf einem genauen Studium gründet, werden in Lebensbildern die Protagonisten und ihre Rolle in der Gesellschaft oftmals willkürlich definiert und abgebildet. Diese Arbeit stellt eine visuelle Umsetzung des Begriffs «Hypothese» dar, indem sie nicht statisch ein Faktum, sondern filmisch-dynamisch verschiedene Möglichkeiten der Interpretation wiedergibt. Das Projekt erweitert die Ausstellung «Ich Mann. Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?» im Colombischlössle in Freiburg im Breisgau.